{"id":1591,"date":"2020-12-09T04:20:11","date_gmt":"2020-12-09T04:20:11","guid":{"rendered":"https:\/\/bobart.ch\/bobart\/?p=1591"},"modified":"2020-12-19T10:20:43","modified_gmt":"2020-12-19T10:20:43","slug":"overland-tour","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bobart.ch\/bobart\/overland-tour\/","title":{"rendered":"Overland Tour"},"content":{"rendered":"\n<p>Botswana: Es ist morgens um halb f\u00fcnf, mein Wecker piepst, ich taste&nbsp;nach meiner Taschenlampe und mache mich auf den Weg zur Dusche.&nbsp;Diese befindet sich draussen und ist gegen oben hin offen. Die&nbsp;Temperatur betr\u00e4gt -1&nbsp;Grad.<\/p>\n\n\n\n<p>Okavango Delta: Ich sitze in einem Einbaumboot, das sanft durchs Wasser&nbsp;gleitet. Stille. Nur das Rascheln der Graspflanzen ist zu h\u00f6ren und das&nbsp;Pl\u00e4tschern, wenn der Poler mit seinem Stock das Boot vorw\u00e4rts treibt.&nbsp;Hunderte von Insekten krabbeln auf mir rum.<\/p>\n\n\n\n<p>Sambia: Es r\u00fcttelt und sch\u00fcttelt. Unser Truck k\u00e4mpft sich durch&nbsp;Schlagl\u00f6cher, feiner roter Staub erschwert das Atmen. Die Strasse ist so&nbsp;schlecht, dass wir regelrecht aus den Sitzen gerissen werden. F\u00fcr 100 km&nbsp;ben\u00f6tigen wir vier Stunden.<\/p>\n\n\n\n<p>South Luangwa: Stockdunkle afrikanische Nacht, wir sitzen am Feuer.&nbsp;Es ist zehn Uhr abends, eigentlich Schlafenszeit, doch niemand r\u00fchrt sich.&nbsp;Wir h\u00f6ren Hippos grasen und Hy\u00e4nen lachen. Der Guide begleitet uns&nbsp;pers\u00f6nlich zum Zelt. Es ist die Gegend mit der h\u00f6chsten Leoparden-Population in ganz Afrika.<\/p>\n\n\n\n<p>Malawi: Ich liege im abgedunkelten Zimmer zwischen k\u00fchlen Laken unter&nbsp;einem Moskitonetz. Ab und zu flitzt ein Gecko \u00fcber die Zimmerdecke,&nbsp;meine Beine schmerzen. Ich bin gerade zehn Stunden auf einen Berg&nbsp;hinauf gekraxelt und wieder hinunter gestolpert. Mit genau 30 Minuten&nbsp;Pause.<\/p>\n\n\n\n<p>Tansania: Die F\u00e4hre befindet sich auf dem Weg von Sansibar zur\u00fcck nach&nbsp;Dar es Salaam. Hoher Wellengang. Ringsum werden Spuckt\u00fcten verteilt&nbsp;und fleissig gebraucht. Ich bin zum Gl\u00fcck einigermassen wohlauf. Nach&nbsp;zwei Stunden gehen wir mit weichen Knien und v\u00f6llig ger\u00e4dert an Land.<\/p>\n\n\n\n<p>Nein, mit einer gem\u00fctlichen Sightseeing Tour hatte meine Reise von S\u00fcd- nach&nbsp;Ostafrika nichts zu tun. Es war anstrengend und die langen Fahrten&nbsp;erforderten viel Geduld. Daf\u00fcr wurden wir mit fantastischen Erlebnissen,&nbsp;Naturwundern, aufregenden Abenteuern und nicht zuletzt mit&nbsp;ausgezeichnetem Essen belohnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir waren mit einem Truck unterwegs, der mehr einem Armee-Fahrzeug&nbsp;glich als einem Touristenbus. Kein Komfort, null Luxus. Die Guides haben&nbsp;uns am ersten Tag gewarnt: &#8222;This is an adventure, not a holiday&#8220; und&nbsp;&#8222;Expect the unexpected&#8220;. Das Unerwartete traf dann auch gleich sofort&nbsp;ein. Nach unserem allerersten Einkaufs- und Toiletten-Stop sprang&nbsp;n\u00e4mlich der Truck nicht mehr an, was uns zu einem leicht hysterischen&nbsp;Lachen veranlasste, hatten wir doch noch \u00fcber 5000 Kilometer vor uns. Aber&nbsp;kein Problem f\u00fcr Johnny, alles war im Nu behoben.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberhaupt bringt die Guides nichts und niemand aus der Ruhe. Sie sind&nbsp;Reiseleiter, Fahrer, Koch, Entertainer, Zoologe, Mechaniker, Arzt und&nbsp;Psychologe in einer Person. Sie wissen, wie man mit sturen Zollbeamten&nbsp;und aggressiven Elefanten umgeht. Egal ob jemand noch &#8222;schnell&#8220; ein&nbsp;Visum braucht, man sich morgens um vier aus dem Zimmer ausschliesst&nbsp;(jaaa, ist mir passiert&#8230;) oder ob der Truck sich mitten in der Pampa&nbsp;pl\u00f6tzlich mit Rauch f\u00fcllt &#8211; die Reaktion ist immer dieselbe: &#8222;Don&#8217;t worry.&nbsp;We will make a plan. We always do.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Positiv \u00fcberrascht war ich von den Unterk\u00fcnften. Manchmal ein Zelt,&nbsp;manchmal sogar ein Chalet, immer anders und meistens sehr liebevoll&nbsp;eingerichtet. Oft mit Haustier. Gleich am ersten Abend musste ich meine&nbsp;Dusche mit drei Fr\u00f6schen teilen, was mich bez\u00fcglich zuk\u00fcnftigen Mitbewohnern abgeh\u00e4rtet hat. Im Okavango Delta haben wir wild gecampt. Das heisst&nbsp;drei Tage ohne Dusche, und das WC bestand aus einem aus der Erde ausgehobenen Loch und einer Schaufel, mit der man das Gesch\u00e4ft zudecken konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Den meisten Kontakt zu den Einheimischen hatten wir in Malawi. Wir\u00a0besuchten ein Dorf und wurden dabei von einer Horde Jungs begleitet,\u00a0was w\u00e4hrend der ersten zehn Minuten lustig, nachher aber nur noch\u00a0anstrengend und nervt\u00f6tend war. Wie die Geier fielen sie \u00fcber uns her,\u00a0l\u00f6cherten uns mit den immer gleichen Fragen und wollten uns nat\u00fcrlich\u00a0allerlei verkaufen. &#8222;Nein, ich will meine Schuhe nicht gegen Rastaz\u00f6pfe\u00a0eintauschen!&#8220; Der Besuch eines Spitals und einer Schule war hingegen\u00a0sehr interessant, auch wenn es da ebenfalls vor allem um Spenden ging.\u00a0Es ist bei allem Verst\u00e4ndnis doch ein wenig befremdend, wenn man\u00a0von einigen Schulkids anstatt mit einem &#8222;Hello&#8220; mit einem &#8222;Give me pen!&#8220;\u00a0begr\u00fcsst wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Sch\u00f6nste an Afrika sind die Abende. Wenn nach einem atemberaubenden&nbsp;Sonnenuntergang Millionen von Sterne am Nachthimmel&nbsp;erscheinen, man gemeinsam am Feuer sitzt und den spannenden&nbsp;Geschichten der Guides lauscht. Unser Chef-Guide hat immer zuerst dem&nbsp;Truck daf\u00fcr gedankt, dass er uns sicher ans Ziel gebracht hat, dann gab&nbsp;es ein kurzes Briefing f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag: Wake-up call um 4, Fr\u00fchst\u00fcck&nbsp;um halb 5&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Nein, es waren keine Ferien, es war ein Abenteuer &#8211; ein wundersch\u00f6nes!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Botswana: Es ist morgens um halb f\u00fcnf, mein Wecker piepst, ich taste&nbsp;nach meiner Taschenlampe und mache mich auf den Weg zur Dusche.&nbsp;Diese befindet sich draussen und ist gegen oben hin offen. Die&nbsp;Temperatur betr\u00e4gt -1&nbsp;Grad. Okavango Delta: Ich sitze in einem Einbaumboot, das sanft durchs Wasser&nbsp;gleitet. Stille. 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