{"id":1623,"date":"2020-12-09T01:40:32","date_gmt":"2020-12-09T01:40:32","guid":{"rendered":"https:\/\/bobart.ch\/bobart\/?p=1623"},"modified":"2020-12-19T10:22:29","modified_gmt":"2020-12-19T10:22:29","slug":"township-tour","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bobart.ch\/bobart\/township-tour\/","title":{"rendered":"Township-Tour"},"content":{"rendered":"\n<p>Townships &#8211; ein schwieriges Thema. Soll man da hingehen? Sich an der&nbsp;Armut der anderen erg\u00f6tzen und mit dem guten Gef\u00fchl nach Hause&nbsp;gehen, dass man es selber so viel besser hat? Macht es Sinn, mit&nbsp;mitleidigem Blick zwischen den Wellblechh\u00fctten umherzuwandern und&nbsp;bettelnde Kinderh\u00e4nde zu sch\u00fctteln?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Schule bietet solche Touren an und ich denke, so eine Gelegenheit&nbsp;kommt so schnell nicht wieder. Mit gemischten Gef\u00fchlen besteige ich also&nbsp;den Kleinbus, der uns nach Langa bringt, ein Township zwischen der&nbsp;Stadt und dem Flughafen. Als wir aussteigen und sich noch eine andere&nbsp;Besuchergruppe zu uns gesellt, w\u00e4re ich am liebsten wieder nach Hause&nbsp;gegangen. Wir besuchen als erstes eine Primarschule und es ist genau so&nbsp;wie ich bef\u00fcrchtet hatte. Auf der einen Seite die Kinder, die f\u00fcr uns singen und tanzen, auf der anderen Seite&nbsp;die Touristen, mit ihren Digicams wild darauflos knipsend. Ich lasse meine&nbsp;Kamera vorerst in der Tasche.<\/p>\n\n\n\n<p>Als n\u00e4chstes besuchen wir ein kleines Keramik-Atelier, in dem&nbsp;wundersch\u00f6nes Geschirr hergestellt wird. Langsam f\u00e4llt die Befangenheit&nbsp;von mir ab, zeigt sich in diesem Projekt doch ein wenig Hoffnung. Auch&nbsp;die \u201eBoy Group\u201c, die afrikanische Rhythmen zum Besten gibt, l\u00f6st meine&nbsp;verkrampfte Stimmung.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Shebeen ist sowas wie ein illegales Pub. Wir kommen in den Genuss&nbsp;eines gekochten, bier\u00e4hnlichen, alkoholischen Getr\u00e4nks, das in einem&nbsp;Blecheimer herumgereicht wird. Es schmeckt gar nicht mal so schlecht.&nbsp;Dieses gemeinsame Trinken aus einem einzigen Gef\u00e4ss hat f\u00fcr die&nbsp;Township-Bewohner eine wichtige symbolische Bedeutung. Alles wird&nbsp;geteilt, die Shacks (H\u00fctten) und das Essen. Die wenigen, die Arbeit haben,&nbsp;teilen den Lohn mit den vielen Arbeitslosen.<\/p>\n\n\n\n<p>A propos teilen: beim Verlassen des Shebeens erwartet uns ein f\u00fcr sanfte&nbsp;Gem\u00fcter eher ungeeigneter Anblick. Eine Big Mama kommt uns entgegen,&nbsp;in den Armen tr\u00e4gt sie drei, vier abgehackte Schafsk\u00f6pfe mit sich rum.&nbsp;Noch mit Fell und allem. Wir sehen kurz zu, wie diese auf offenem Feuer&nbsp;zubereitet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Als letztes k\u00f6nnen wir uns eine Behausung von innen ansehen. Von den&nbsp;Platzverh\u00e4ltnissen her \u00e4hnelt es einem Eisenbahn-Schlafwagen. Die&nbsp;R\u00e4ume sind vollgestopft mit Kleidern und anderen Alltagsgegenst\u00e4nden.&nbsp;Die Menschen liegen mit desinteressiertem Blick auf schmutzigen&nbsp;Laken, es m\u00fcffelt modrig. Wir fragen einen Mann, warum er es zul\u00e4sst,&nbsp;dass ganze Touristengruppen ihn besuchen kommen. Er sagt, er f\u00fchle&nbsp;sich von der Regierung betrogen und im Stich gelassen. Er wolle, dass die Leute wissen,&nbsp;wie die Situation wirklich ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Townships &#8211; ein schwieriges Thema. Soll man da hingehen? Sich an der&nbsp;Armut der anderen erg\u00f6tzen und mit dem guten Gef\u00fchl nach Hause&nbsp;gehen, dass man es selber so viel besser hat? Macht es Sinn, mit&nbsp;mitleidigem Blick zwischen den Wellblechh\u00fctten umherzuwandern und&nbsp;bettelnde Kinderh\u00e4nde zu sch\u00fctteln? 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